Entlarve das Gift in deiner Beziehung

Mann by margot pandone

Wer kennt das nicht? Das ist typisch männlich. Doch stimmt das wirklich? Wie Männer es Frauen manchmal schwer machen, sie zu verstehen und wie Frauen Verhalten interpretieren. So entstehen Missverständnisse. Ich bin froh, dass Olaf Schwantes als erfahrener Paartherapeut und Mann 😉 sich diesem Thema annimmt. Danke für diesen wundervollen Gastbeitrag!

Männer wollen nur das eine … warum Vorurteile und Interpretationen Gift für deine Beziehung sind

Nirgends gibt es so viele Vorurteile, Missverständnisse und Interpretationen wie in Beziehungen und ganz speziell in Paarbeziehungen.

Aber warum ist das so? Ich will dieses Thema einmal etwas ausführlicher beleuchten und liefere dir am Ende konkrete und sofort umsetzbare Tipps, wie du künftig damit umgehst.

Bist du bereit? Prima, dann mal los …

Was uns prägt

Wie bist du aufgewachsen? Also, wie wurdest du erzogen, welche Werte haben dich geprägt und was haben dir deine Eltern vorgelebt? Denn ob wir wollen oder nicht, es prägt uns meist mehr, als uns lieb ist.

Frauen sind es von Kindesbeinen an eher gewohnt, sich mitzuteilen und über die eigenen Gefühle zu sprechen. Dabei hilft ihnen das Gespräch mit anderen meist dabei, die eigenen Probleme zu reflektieren, das eigene Verhalten zu hinterfragen und am Ende selbst eine Lösung zu finden. Und nichts nervt sie mehr, als gut gemeinte Ratschläge. Kennst du das?

Männer haben dies dagegen meist nicht gelernt. So habe ich immer noch den Spruch in meinen Ohren: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ oder noch viel harmloser „Du schaffst das schon!“. Also, stell dich nicht so an und mach weiter. Da gab es keinen Platz über das zu sprechen, was mich beschäftigt.

Und so treffen nun Mann und Frau aufeinander. Verwundert es dich da noch, dass dein Partner dich einfach manchmal nicht verstehen kann? Ich will es nicht bagatellisieren oder damit uns Männer von jeder Verantwortung freisprechen! Eine Möglichkeit, wie du damit umgehen kannst, hat Veronika in ihrem Gastartikel Er versteht mich einfach nicht auf meinem Blog wunderbar beschrieben.

Was wir gelernt haben

Wir werden spätestens in der Schule und danach auch in Studium, Ausbildung und Beruf darauf getrimmt, lösungsorientiert zu denken und zu handeln. Dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Nur wenn es um Gefühle, den Wunsch nach Austausch geht, steht dies dir und deinem Partner im Wege. Und selbst im Berufsleben merkst du, dass dies nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist.

Für eine Partnerschaft ist es so wertvoll, sich einfach einmal mitteilen zu können, und darüber zu sprechen, was dich gerade bewegt. Und das ohne, dass diese Situation (sofort) einer Veränderung bedarf oder du dich dauernd erklären bzw. verteidigen musst.

Und das haben wir Männer – richtig – einfach nicht gelernt. Auch hier wieder: Es ist und soll keine Entschuldigung sein.

Wie wir uns verhalten und Erwartungshaltungen

Beim Schreiben dieses Artikels sitze ich gerade im Zug und neben mir sitzt ein älteres Ehepaar. Der Mann ist gerade damit beschäftigt eine Zeitschrift zu lesen. Die Frau ebenfalls. Dabei entdeckt sie eine Idee, wie sie künftig ihr Badezimmer farblich gestalten könnten. Und bittet den Mann, nur kurz dazu einen Absatz aus ihrer Zeitschrift zu lesen. Der Mann sagt ihr, dass er erst seinen Artikel zu Ende lesen will und danach dann gerne ihren Artikel liest. Doch die Frau beharrt und möchte gleich eine Reaktion. Und so gibt er nach und liest den Absatz. Danach möchte die Frau von ihrem Mann eine Reaktion. Als diese nicht kommt – trotz Nachfrage – resigniert sie und liest wieder still weiter.

Kennst du solche Situationen?

Vorurteile

Warum sind Bücher mit einem Titel wie „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ oder „Deutsch-Mann: Männerverstehen leicht gemacht“ so erfolgreich? Und warum gibt es unzählige Comedians, die mit der Bedienung von Stereotypen und Vorteilen ebenfalls erfolgreich sind und ihr Publikum regelmäßig in Lachkrämpfe versetzen? Und warum liest du diesen Artikel?

Wir finden uns selbst darin wieder. Und auch, wenn wir uns „ertappt“ fühlen, lachen wir den eigenen Frust lieber weg. Ok, das kann natürlich auch manchmal wirklich befreiend und hilfreich sein. Doch dann sollte sich auch tatsächlich etwas ändern.

Doch Vorurteile haben eine trennende Wirkung. Also, es schafft keine Nähe zwischen dir und deinem Partner. Und die braucht es, damit ihr konstruktive Lösungen für eure Themen findet.

Interpretationen

Viele Frauen bekommen auf ihre (Nach-)Fragen von ihren Männern keine Antwort. Männer tun sich schwer damit oder vermeiden es aus Bequemlichkeit, über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen. Und so haben die Frauen gelernt, in die wenigen Aussagen, die sie bekommen, etwas hineinzuinterpretieren.

4 Tipps für einen Ausweg

  1. Sprich mit deinem Partner über die Dinge, die dir wichtig sind.
  2. Gib ihm dabei Zeit und Raum, damit er in seiner Geschwindigkeit dir antworten kann.
  3. Frage nach, wenn du etwas nicht verstanden hast oder es unklar für dich ist. Das schützt dich vor Interpretationen.
  4. Gib deinem Partner die Chance, dass er sich auf das Gespräch vorbereiten kann und weiß, was auf ihn zukommt. Wenn es ihn unvorbereitet trifft, gerät er schnell in die Rechtfertigungsfalle.

Nun liegt es an dir. Was wirst du mit diesem Wissen anfangen?

Liebe Veronika, ich danke dir sehr, dass ich mit diesem Artikel in deinem Blog einen kleinen Beitrag für ein besseres Verständnis leisten konnte.

Alles Liebe

Olaf

 

Olaf Schwantes  www.olaf-schwantes.de

_CWI7372 verkleinertIch bin Beziehungs-Coach, Paartherapeut und Selbstwert-Trainer und unterstütze Paare und Einzelpersonen auf Ihrem Weg zu starken Beziehungen in der Liebe und im Beruf. Dabei geht es mir vor allem um den Transfer in den Alltag, der auch mit Leichtigkeit und Humor geschehen kann.

 

Bildquellen: Portraitfoto © Olaf Schwantes

11 Kommentare, sei der nächste!

  1. Schöner Artikel Olaf! Ich finde es in einer Beziehung super wichtig, Geschlechterklischees und die oft gefühlten 1000 Vorannahmen mal zu hinterfragen. Locker die Hälfte von denen dürfte sich dann nämlich in den meisten Fällen als nicht zutreffend erweisen 🙂

    Tipp am Rande:

    Wer wissen will, wie männlich oder weiblich er/sie genau ist, kann das anhand dieses wissenschaftlichen Tests herausfinden:

    http://www.txkoeln.de/infothek/lexikon/bsri.htm

    (Die Präsentation ist nicht soo schick, aber dafür liefert der Test auch valide Ergebnisse 🙂 )

    LG, Nils

  2. Hallo Olaf,

    Ich glaube das ist der erste Artikel den ich von Dir lese und ich finde ihn sehr spannend. Hier gelandet bin ich sicherlich nicht zufällig: die Überschrift ist mir sofort ins Auge gesprungen und hat meine Maus-Hand geführt 😉
    Das Thema Mann und Frau ist doch in meinem Leben gerade sehr präsent und ohne groß ins Detail gehen zu wollen, steht die Frage im Raum was sinnvoller ist – eine Trennung oder das zusammen bleiben.
    Bisher ging die Tendenz meinerseits eher in die Richtung Trennung aber seit ein paar Tagen ist mir eine Erkennktnis ganz bewusst geworden:

    Mein Mann ist nicht dazu da, mich glücklich – zufrieden – schön oder sonst was zu machen. Er ist nicht dafür verantwortlich, dass ich mich nicht gut fühle und er ist nicht dafür verantwortlich, dass ich ihn immer öfter auf den Mund schießen könnte. Ich bin auf der Suche nach etwas und bin davon ausgegangen mein Mann müsse mir das geben können. Kann er das nicht, dann ist er nicht der richtige.

    Nein, seit gestern bin ich mir sicher: wenn ich für mich herausfinden kann was mir fehlt, nach was ich suche und das in mir bzw. für mich finden kann, wird sich auch die „männlein gegen weiblein“ Situation verbessern.

    Das ist meiner Meinung nach das größte Gift in einer Beziehung: die Erwartung an den anderen.

    Herzliche grüße und vielen Dank nochmal für diesen tollen Ansatz.

    Nicole

    1. Liebe Nicole,
      vielen lieben Dank für deinen ausführlichen und sehr persönlichen Kommentar sowie dein Feedback!

      Und ja, die Erwartungshaltung ist ebenfalls ein hochwirksames Gift für Beziehungen. Wenn wir von anderen erwarten, dass sie uns glücklich machen, machen wir uns abhängig …

      Auf der anderen Seite ist mir auch eins wichtig: Wir alle haben Wünsche und Bedürfnisse und diese dürfen wir auch äußern. Es liegt dann in der Freiheit des anderen, ob er sie erfüllen mag oder eben nicht. Es wäre fatal alles nur bei sich selbst zu suchen, das führt ganz schnell zu einer Überforderung. Und doch ist es immer gut zu schauen, was es mit mir zu tun hat und was ich selbst ändern kann.

      Wenn ich (überhöhte) Erwartungshaltungen an andere habe, liefere ich diesem gleich eine Fernbedienung für meine Gefühle mit einem Jahresvorrat an Batterien. Denn ich habe ja ein Ziel definiert, was ich selbst nicht erfüllen kann. Und den Weg daraus hast du ja nach deiner Beschreibung wunderbarerweise gefunden!

      Nun danke ich dir für deine Inspiration und hoffe, dass ich dich mein Kommentar nicht verwirrt hat. Ansonsten trage ich gerne zur Entwirrung bei 😉

      Herzliche Grüße
      Olaf

  3. Lieber Olaf,
    ein wenig musste ich ja schon schmunzeln… Schon erstaunlich, wie viel von diesen Stereotypen immer noch in uns steckt, oder? Es wird (wurde?) aber auch kräftig daran mitgewirkt und passen erzogen. Noch heute ist das leider zu beobachten.
    Und es ist wie bei jeder Annäherung: erst wenn wir die Klischees und Vorurteile weglassen kann eine wirkliche Annäherung geschehen.
    Schön, dass Du und auch Veronika, dazu beiträgst.
    Liebe Grüße, Andrea

    1. Liebe Andrea,
      ja, manchmal ganz schön bitter. Und wenn wir es endlich schaffen, uns aus unseren Prägungen und den ganzen äußeren aber auch inneren Einflüssen zu befreien, können wir uns auf Augenhöhe begegnen.

      Danke für deine schöne Ergänzung und dein Feedback, das alleine zeigt, wie wichtig es ist!

      Herzliche Grüße
      Olaf

  4. Sehr guter Beitrag der es auf den Punkt gebracht hat. Was mir Persönlich sehr gefällt ist das es leicht zum Lesen ist. Was mich interessieren würde, ich habe vor kurzen ein Beitrag in ein Männermagazin gelesen http://www.derneuemann.net/beziehung Es geht um „21 Situationen die einen Mann in der Beziehung stört“ wie man diese Probleme am besten umgeht oder löst. Über einen weiteren Bericht zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen.

    Lg aus Wien
    Martina

    1. Hallo liebe Martina,
      vielen lieben Dank für deine Rückmeldung, das freut mich sehr.

      Danke für den Link und deine Frage/Anregung! Das habe ich gleich einmal in meine Blogartikel-Liste aufgenommen. Wird aber noch etwas dauern, da ich gerade an einer 9-teiligen Serie schreibe. Danach aber sehr gerne und den Artikel wirst du dann auf meinem Blog finden oder vielleicht verabrede ich mit Veronika einen weiteren Gastartikel, mal schauen …

      Herzliche Grüße nach Wien
      Olaf

      1. Hallo Martina, danke für deine Anregung!
        Das finde ich wirklich klasse :-).

        Lieber Olaf
        du bist immer herzlich willkommen als Gastautor auf meinem Blog :-). Wir können auch einen gemeinsamen Artikel über die 21 Punkten machen – wäre auch mal ein Experiment.
        Jetzt bin ich erstmal neugierig auf deine Serie.

        Von Herzen liebe Grüße
        Veronika

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