Aufschieberitis, Faulheit, Scham, Schuld, Stress

Aufschieberitis: Warum du nicht faul bist!

Kennst du das? Du hast eine Idee, einen Plan – etwas, was du umsetzen möchtest. Und dann schiebst und schiebst du es auf. Du fängst an und bringt es nicht zu Ende. Wieder Aufschieberitis. Das macht unzufrieden und eine Menge unguter Gefühle. Doch Aufschieberitis hat nichts mit Faulheit zu tun!

Aufschieben und Aufschieben ist nicht dasselbe. Es gibt zwei Seiten der Aufschieberitis. Fangen wir mit dem positiven Aspekt an!

Die produktive Seite der Aufschieberitis

Ich nutze diese Seite der Aufschieberitis gerne, wenn ich ein größeres Projekt plane und vorbereite – zum Beispiel einen Kurs oder manchmal ist auch ein Workshop ein größeres Projekt ;-). Am Beispiel meines Workshops „Angsthase meets Herzensheldin“ kann ich es ganz gut erklären. Bei meinem letzten Workshop hatte ich den Impuls einen neuen Workshop zu machen. Doch dieser Impuls war nur eine vage Idee von möglichen Inhalten. Ich plante den Termin für nach den Osterferien ohne eine konkrete Idee. Übrigens meldeten sich die ersten schon an, ohne dass sie das Thema wussten. Was für ein Vertrauen und was für ein Geschenk für mich!

In den nächsten Tagen schrieb ich immer mal wieder kurz Gedanken auf, manche verwarf ich gleich wieder. An manchen Tagen machte ich auch einfach nichts, ich beschäftigte mich noch nicht einmal damit. Und an manchen Tagen tauchte plötzlich ein Gedankenblitz auf und ich schrieb es auf. Es macht mir Spaß zu sehen, wie der Workshop in mir reift und seine Gestalt annimmt. Doch manchmal grätschte mir mein schlechtes Gewissen rein. „Setz dich hin und schreib endlich mal alles herunter“, „du schiebst auf“, „du vermeidest die Arbeit die dazugehört“, „wie soll das alles fertig werden?“ … Und wenn meine Kritikermonster in voller Fahrt waren „du bist faul“, „du bist inkonsequent“, „strukturiere dich mal“, „so wird das nie was“, „die paar Gedanken sind nicht gut genug“, „streng dich endlich mal an“.

Doch sie hatten unrecht. Diese Prokrastination war kein Aufschieben – es war ein Raum schaffen. Kreativität braucht Raum für Ideen und Zeit. Wir sind keine Idee-Maschinen. Wir brauchen mal eine Auszeit, damit wir durchatmen können. Dann Neues in uns ein-fallen kann. Unser Gehirn braucht mal eine Pause, andere Eindrücke. Damit wir neue Punkte verknüpfen können. Pausen sind wichtig! Pausen bringen ein Projekt voran. Wenn du ein größeres Projekt planst, planst du kreative Auszeiten ein? Es bringt frischen Wind in dein Projekt, wenn du produktiv aufschiebst.

2. Die zerstörende Aufschieberitis

Das ist ein ganz anderer Schuh als die produktive Aufschieberitis. Wenn du Dinge vermeidest zu machen und du tief in dir weißt, dass wird negative Konsequenzen nach sich ziehen. Ich glaube es gibt niemanden auf der Welt, der nicht Dinge aufschiebt. Ich schiebe seit Wochen das Aufräumen und Ausmisten meines Badezimmerschranks auf. Vielleicht ist es bei dir – das Fotoalbum fertigstellen, Arbeitsblätter erstellen, deine Webseite updaten, ein Gespräch mit dem Chef. Mein Badezimmerschrank ist nicht lebensnotwendig und die negativen Konsequenzen sind nicht lebensbedrohlich. Doch jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich den Schrank öffne, fällt mir ein – ich wollte ihn doch aufgeräumt haben. Und jedes Mal schaue ich schuldbewusst in den Spiegel. Ich ärgere mich, dass ich es noch nicht gemacht habe. Ich beschuldige mich, dass mein Zeitmanagement, meine Willenskraft miserabel sind. Ich zweifel an meiner Selbstdisziplin, an meiner Organisation. Es lässt mich klein und unfähig und faul fühlen. So eine kleine Lappalie.

Aufschieberitis hat auch gar nichts mit Arbeit zu tun.

Bist du irritiert? War ich auch als ich das herausgefunden habe ;-). Aber womit hat es denn nun zu tun?

Bei Aufschieberitis geht es nicht darum, Arbeit zu vermeiden – sondern Stress zu vermeiden. Timothy A. Pychyl hat in seinen Forschungen herausgefunden, dass Aufschieberitis „die unbewusste Sehnsucht ist, sich JETZT gut zu fühlen.“ , so dass das Gefühl von Stress nachlässt. (Buchtipp: Timothy Pychyl: Solving the Procrastination Puzzle: A Concise Guide to Strategies for Change ).

Oft denken wir, dass Aufschieben ein freie Entscheidung ist. Doch die Forscher fanden heraus, dass die Menschen eher das Gefühl hatten, es nicht kontrollieren zu können. Und damit kommen wir zum wahren Grund der Aufschieberitis!

Wir schieben Dinge auf, weil wir uns gestresst fühlen. Doch im Wahrheit bist du nicht gestresst wegen der Arbeit. Du bist gestresst von weitaus größeren Dingen: Geld, Beziehungsprobleme oder dem Leben im Allgemeinen. Wenn du deine Arbeit aufschiebst und Facebook checkst, Online-Shoppping oder eine Serie schaust – du machst eine kleine Stress-Pause von dem größeren Stress, den du gerade fühlst!

Das ist emotionales Essen fürs Hirn. Wenn du etwas vermeidest, was sich anstrengend anfühlt, fühlst eine kleine Erleichterung. Machst du in der Zeit etwas, was dir Freude macht, bekommst du ein kleinen Schwung Dopamin („dem Glückshormon“). Und hier kommt der kleine Teufelskreislauf:

Je häufiger du Dinge aufschiebst, desto öfter wiederholst du das Verhalten. Und weil du durch die Pausenbeschäftigung ein wenig Stress abbaust, wächst auf der anderen Seite der Turm der Arbeit und die Hürde wird größer, anzufangen.

Quelle: Uni Münster, Prokrastinationsambulanz

Also was tun?

1. Verzeihe dir!

Das schlechte Gewissen, die Schuldgefühle und die Scham darüber, es ist nicht zu schaffen, bremsen dich zusätzlich aus. Wir sind Menschen, wir sind nicht perfekt. Oft sind es unsere eigenen hohen Ansprüche, die uns nicht mit der Arbeit anfangen lassen. Unser Streben nach Perfektion.

Verzeihe dir, dass du vielleicht andere enttäuscht oder verärgerst.

Verzeihe dir, dass du hinterherhinkst.

Verzeihe dir, dass du gerade nicht alles gibst.

2. Schau hinter die Kulissen!

Was stresst dich in Wirklichkeit? Was bereitet dir wirklich Sorgen? Was bremst dich aus? Schau in die verborgenen Ecken und entdecke die Ursache hinter deinem Aufschieben. Brauchst du dabei Unterstützung? Ein Coaching kann dir dabei helfen, hinter die Kulissen zu schauen. Ich stehe dir gerne hilfreich zur Seite.

 

3. Fange an!

Nimm dein Projekt und zerlege es in kleine Einzelschritte. Mach es für dich machbar. Starte einfach mit 15 Minuten-Einheiten. Nach und nach baust du so den Turm der Arbeit ab.

Bei der Uni Münster habe ich einen Selbsttest zur Prokrastination entdeckt. Er dauert ca. 30 Minuten. Probiere es aus, schiebe es nicht auf ;-). Ich fand ihn super interessant und spannend – mein persönlicher Prokrastinationswert liegt bei 54 Prozent. Gar nicht so schlecht. Und wie ist deiner?

 

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