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Meine 4 Schritte zu meinem Morgenritual

Seit Jahren versuche ich immer wieder ein Morgenritual in meinen Alltag einzubauen. Ganz klassisch mit Morgenseiten. Und ich bin immer wieder gescheitert. Was ich dieses Mal anders gemacht habe und warum es mir so leicht fällt, es in meinen Alltag zu integrieren.

Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können. Marc Aurel

Was ist überhaupt ein Morgenritual?

Ganz einfach erklärt: Es ist eine tägliche Gewohnheit, die man in seinen Alltag integriert, um den Tag bewusst zu starten. Das bedeutet nicht den automatischen Klick auf den Schalter der Kaffeemaschine. Der Unterschied macht den bewussten Start in den Tag.

Wie ich früher mein Tag startete

Meine Lieblingsfunktion an meinem Wecker war die Schlummertaste. Nur noch fünf Minuten. Mich nochmal in mein warmes Bett einkuscheln, die Augen schließen und schlummern. Manchmal betätige ich die Schlummertaste auch mehrmals. Ungefähr so ;-)

 

Irgendwann dann aufstehen. Gang zur Kaffeemaschine. In der Zwischenzeit fix duschen. Beim Kaffeetrinken schnell noch Facebook und E-Mails checken. Anziehen, fertigmachen. Mit dem Hund raus. Frühstück machen und Hund füttern. Und dann los zur Arbeit. Kommt dir das bekannt vor?

Völlig unvorbereitet in den Tag hineingeworfen, haben mich oft Dinge überrollt. Ich bin schnell aus meiner eigenen Mitte herausgekommen. Habe meine Pläne verschoben. Und dann war ich mehr damit beschäftigt, die Bälle in der Luft zu halten und auf alles zu reagieren. Anstatt bei mir zu sein und mich zu entscheiden.

Mein erster Versuch mit einem Morgenritual waren die Morgenseiten von Julia Cameron. Es ist ziemlich simpel. Man schreibt am Morgen drei Seiten. Einfach ungefiltert und ohne jede Kontrolle. Die Sätze müssen nicht grammatikalisch korrekt sein. Es muss nicht logisch sein. Einfach mal alle Gedanken herauslassen und den Kopf von all den Dingen, die er so mit sich herumträgt, zu entlasten. Das hat mir wirklich gut getan. Eine Weile. Dann merkte ich, mein Kopf war zwar beschäftigt – aber es war nicht so viel da, was aus mir fließen wollte. Und das Schreiben der Morgenseite gestaltete sich zäh wie Kaugummi. Bis es aus meiner Morgenroutine wieder verschwand. Ich kehrte wieder zu meinem alten Muster zurück.

Denn ich hatte drei Gedankenfehler!

1.) Zeit

So ein Morgenritual ist nur etwas für Menschen, die morgens viel Zeit zur Verfügung haben. Ich stehe ja schon früh auf. Noch früher aufstehen geht nun wirklich nicht! Das ist auch wirklich stressig!

2.) Das Ritual ist immer dasselbe

Es gibt nur ein einziges Morgenritual! Und das macht man jeden Morgen. Jeden Morgen Morgenseiten schreiben? Unvorstellbar!

3.) Es macht keinen Unterschied

Ob ich jetzt morgens, mittags oder abends meine Gedanken aufschreibe, macht doch keinen Unterschied.

Die Wende brachte mir folgender Gedanke:  Möchte ich meinen Tag selbst gestalten oder sollen die Ereignisse des Tages meinen Tag bestimmen?

Klare Antwort: Ich übernehme die Führung über mein Leben.

Schritt 1:

In den folgenden Wochen analysierte ich mein Morgenverhalten. Ich fragte mich, wie ich mich am Morgen, im Laufe des Tages und am Abend fühlte. Es war nicht schlecht, aber auch nicht hammermäßig großartig. Meine To-Do-Listen habe ich abgearbeitet und doch fühlte es sich oft anstrengend an. Oft war ich einfach überwältigt den Aufgaben und den Ereignissen des Tages. So wollte ich mich nicht länger fühlen.

Schritt 2:

Woher nehme ich die Zeit? Nach meiner Morgenanalyse war mir klar, dass ich auf ein paar Dinge am frühen Morgen verzichten kann. Zum Beispiel: Facebook und E-Mails checken und reagieren. Das verschaffte mir ein wenig Zeit. Auch die Schlummertastenfunktion habe ich abgeschafft – sehr zur Freude meines Hundes. Den Wecker habe ich fünf Minuten früher eingestellt, das ist auch nicht viel. Plötzlich hatte ich 20 Minuten Zeit!

Schritt 3:

Was wird mein Ritual werden? Morgenseiten waren ja schon nett, aber irgendwie funktionierten sie nicht immer für mich. Was gibt es überhaupt für unterschiedliche Rituale? Ich machte mir eine Ritual-Liste. Und ich überlegte, was welches Ritual für mich tun kann. Das öffnete mir eine ganz neue Perspektive. Es gibt Morgenrituale, die einen nach innen bringen und innerlich „füllen“. Und andere wie die Morgenseiten, die das Innere nach Außen bringen. Und ich habe manchmal das Bedürfnis, Neues aufzunehmen, mich inspirieren zu lassen. Und manchmal ist es eine wahre Wohltat, alles was sich innerlich gesammelt und aufgestaut hat, herauszulassen.

Schritt 4:

Los geht es! Umsetzen – jeden Tag 20 Minuten Morgenritual. Meine Liste an Morgenritualen liegt auf dem Küchentisch. Mit dem Einschalten der Kaffeemaschine frage ich mich, wie fühle ich mich heute? Wie möchte ich mich heute fühlen? Und welches Ritual brauche ich? Und dann ran an das Ritual :-).

Mein Fazit:

Es braucht ein deutliches Commitment. Ein klares Ja!, es durchzuziehen und auszuprobieren. Und wenn es wirklich funktionieren soll, braucht es Raum zu Erforschen und Mut zum Scheitern. Doch was ich entdecke habe, ist ein Geschenk. Wenn ich Neues aufnehmen möchte, dann beginnt mein Tag genährt. Und zwar ist das – auch wenn es sich verrückt anhört – ein wohliges warmes Gefühl im Bauch wie nach einer leckeren Portion Porridge (ich liebe Porridge). Wenn ich mich am Morgen „entlade“ von meinen Gedanken und Gefühlen, die ich mit mir herumtrage, bin ich glasklar und bereit, in Aktion zu gehen. Mein Morgenritual möchte ich nicht mehr missen. Es bringt mich zurück zu mir und gibt die Ruhe und die Kraft, meinen Tag zu gestalten und bei mir zu bleiben.

Ich freue mich auf deine Gedanken und Kommentare!

Veronika

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