Eigenlob, Selbstwert, Selbstbewusstsein, Talente, Lob

Mythos Eigenlob: Die geheime Kraft des Eigenlobs

Wann haben wir eigentlich aufgehört, uns selbst zu loben? Und warum eigentlich? Warum ist Eigenlob so wichtig für das Selbstbewusstsein? Und wirkt Eigenlob tatsächlich arrogant? Ich habe ein paar interessante Gegenbeispiele. Am Ende des Artikels findest du ein paar Tipps für dein Eigenlobtraining.

Eigenlob: Wie alles begann

Kleine Kinder werden von ihren Eltern gefeiert, wenn sie den ersten Schritt machen, das erste Mal aufs Töpfchen gehen, die ersten Laute von sich geben. Und wie reagieren die Kinder? Sie strahlen übers ganze Gesicht und klatschen fröhlich in die Hände. Du wurdest gelobt, weil du ein Wort falsch ausgesprochen hast „oh, das klingt so niedlich, wenn du sotolade sagst“ und ganz schnell hast die Schokolade bekommen. Wenn du auf den Ball gezeigt hast, wurde dir ganz schnell der Ball gebracht. Wenn du dir das Essen in die Haare geschmiert hast, vergessen hast die Hose anzuziehen, den Schuh an den falschen Fuss angezogen hast – ach, war das niedlich! Und die Eltern machten ein Foto davon und schmunzelten.

Eigenlob: Wo sich alles ändert

So viel Neues gibt es in den ersten Lebensjahren zu entdecken und so viele erste Male, die ausgiebig gefeiert werden, so viele lustige Dinge, die zwar nicht richtig waren, aber trotzdem oder gerade deswegen gefeiert worden sind.

Das spornt dich an, es nochmal zu versuchen. Es ist die schönste Art des Lernens. Doch es dauert nicht lange, da werden die Schritte, die Wörter etc. nicht mehr gefeiert – sie sind normal geworden.

Dann ist fast richtig, nicht mehr gut genug. Und du musst dir dein Lob verdienen. Deine Fehler werden offensichtlich, andere Kinder können Dinge, die du noch nicht kannst oder sie können sie besser als du. Und niemand denkt mehr, das ist so niedlich, mach es doch nochmal.

Das Lob stärkt und motiviert, das haben kleine Kinder schnell raus. Sie machen auch keinen Unterschied zwischen Eigenlob oder Fremdlob (gibt es das Wort überhaupt?). Bleibt es erstmal aus, loben sie selbst. „Ich kann so gut singen“ und sie trällern voller Stolz und Inbrunst ein Lied. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sie die Rückmeldung bekommen „Eigenlob stinkt“, „Das macht man nicht“ oder aber das war jetzt nicht gut. Es passiert nicht von jetzt auf gleich. Doch mit der Zeit unterhöhlen diese Worte das Selbstbewusstsein, machen es löcherig und offen für die Stimme des Inneren Kritikers „du bist nicht genug“.

Eigenlob: Wie oft lobst du dich selbst?

Oder anders gefragt, lobst du dich überhaupt selbst? Ich finde, es gibt einen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit, sich selbst zu loben und dem Annehmen von Komplimenten, Anerkennungen und Lob von anderen. Wenn ich mir selber nicht zugestehen, wie wunderbar, wie schön, wie genial ich bin – kann ich es dann von anderen annehmen?

Kritik nehmen wir oft völlig unreflektiert an, lassen sie tief ins uns rein und sind verletzt. Anerkennung, Wertschätzung, Lob prallt hingegen einfach an uns ab. Wir winken ab und lassen es gar nicht wirklich an uns ran. Geschweige denn, dass wir einen Moment es glauben. Ich habe dieses Video entdeckt. Schau es dir an, es ist wirklich interessant und bewegend.

In meinen Rapid Transformational Therapy Sitzungen kommen wir fast immer an das Thema „ich bin nicht genug“. Was mich immer wieder tief berührt, ist die Intensität des Gefühls und die Dimension. Es ist oft ein existentieller Gedanke. Denn zu dem Zeitpunkt, wo dieser Gedanke ins Leben tritt, sind wir angewiesen auf das Versorgtwerden von den Eltern. „Nur wenn ich lächele und süß bin, bekomme ich Zuwendung“ – „wenn keiner da ist, der mich beschützt und versorgt, dann sterbe ich“. Ein weiteres Beispiel: „Ich verdiene es nicht, weil ich nicht gewollt bin. Ich bin nicht gewollt, weil ich störe. Ich darf nicht auffallen und muss mich anpassen. Sonst ist niemand mehr da für mich und ich bin ganz allein.“ Es ist immer unglaublich befreiend, zu erkennen, dass diese Glaubenssätze keine Gültigkeit mehr haben. Endlich sie gehen zu lassen und Neues einzuladen.

Räumen wir auf mit dem Vorurteil „Eigenlob stinkt“

Es ist durchaus ein zweischneidiges Schwert, das gebe ich gerne zu. Es gibt die Blender und die Hochstapler, die mit ihren vermeintlichen Fähigkeiten angeben und sich in den Vordergrund drängen.

Doch die zählen eher weniger zu meiner Lesern. Du liest eher aus umgekehrten Grund. Wenn du dich selbst loben würdest, würdest vielleicht ein Blender oder ein Hochstapler sein? Und sowieso hast du schon ganz klammheimlich diesen Gedanken in dir: Was ist, wenn auffällt, dass ich gar nicht so bin wie die anderen mich einschätzen? Und klingt das dann nicht auch ziemlich arrogant, wenn ich mir selber auf die Schulter klopfe? Wenn ich meine Fähigkeiten und Fertigkeiten herausstellen?

BULLSHIT!!!! Definitiv nicht! Wenn du klar sagst und in dir weißt, mein Talent ist es, den weltbesten Kirschkuchen zu backen. Dann wirst du nicht sagen, ich bin gut beim Salatdressing. Oder wenn es dein Talent ist, leicht einen Zugang zu Menschen zu finden, dann bist du dir klar darüber, dass du nicht gut in der Buchhaltung bist.

Es ist genug, gut in einem Bereich zu sein. Und es dient allen, wenn du es den anderen sagst. Denn so können alle von deinem Talent profitieren. Die Menschen mögen Selbstbewusstsein und selbstbewusste Menschen. Also trau dich, dich zu zeigen!

Eigenlob-Beispiele

Ich gebe dir noch zwei Beispiele, damit du dich leichter trauen kannst :-).

Stell dir vor, du sitzt im Flieger und es gibt beänstigende Turbulenzen. Der Pilot macht eine Durchsage „ Ich bin ein sehr erfahrener Pilot. Einer der besten. Wir sind da bald durch.“ Du atmest auf. Die Durchsage des Pilots findest du weder überzogen noch arrogant. Sein Selbstbewusstsein gibt dir Sicherheit und lässt dich ein wenig besser fühlen.

Per Zufall habe ich heute die Serie „This is us“ entdeckt. Eine junge Frau liegt im Krankenhaus zur Geburt ihrer Drillinge. Doch ihr eigentlicher Arzt ist verhindert, was Panik bei der Frau auslöst. Der neue Arzt versichert der Frau, dass er alles über ihre Schwangerschaft und die Risiken weiß. Ebenfalls sagt er: „Ich bin der Beste der Besten. Und ich schwöre beim Leben meiner Kinder und Enkelkinder, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin.“ Etwas theatralisch der Schwur ;-). Aber es wirkt nicht arrogant, sondern spendet Vertrauen und Sicherheit.

Es ist nicht arrogant, wenn du es auch so sagst!

Eigenlob: Tipps

Es beginnt alles damit, wie du mit dir sprichst!

Die Person, mit der du uns am meisten sprichst, bist DU. Was erzählst du dir den lieben Tag lang? Was überwiegt? Die liebevollen Stimmen oder die kritischen Stimmen? Hier kommen ein paar Eigenlob-Tipps für dich:

1. Die Spiegelübung

Du hast es schon in dem Video gesehen. Stell dich vor den Spiegel und schau dich an. Schau dich wirklich an und nicht durch dich hindurch. Ich weiß, das ist nicht so einfach und ich kenne alle Schummeltricks aus eigener Erfahrung. Versuch es erst gar nicht. Stell dich deinem Spiegelbild. Was kannst du sehen? Wunderschöne Augen? Ein freundliches Lächeln? Tolle Beine? Fang einfach mit etwas an. Sage es dir und schließe die Übung an, in dem du dir fest in die Augen schaust und sagst „Ich bin genug“.

Es dauert ein wenig mit dieser Übung warm zu werden, doch es wird Tag für Tag leichter. Du wirst erstaunt sein über die Veränderungen!

2. Lobe dich am Abend

Schreibe dir jeden Abend fünf Dinge auf, die du gut gemacht hast, worauf du stolz bist.

3. Welche Worte hättest du gerne gehört?

Welche Worte hättest du gerne als Kind von deinen Eltern, von deinen Geschwistern, von deinen Lehrern etc. gerne gehört? Es ist nie zu spät! Sage dir selbst diese Worte – denn die wichtigsten Worte sind die, die du zu dir selbst sagst. Welche Worte hättest du gerne heute von deinem Partner, von deinem Chef, von deinen Kindern, von deinen Kollegen gerne gehört? Auch hier gilt – lobe dich selbst und sage es dir. Es macht dich frei von der Anerkennung anderer. Es unterstützt dich ungemein, die Komplimente anderer einfach anzunehmen. Und zu guter Letzt, es hilft dir mit Kritik besser umzugehen – zu erkennen, wann sie angebracht ist und wann sie nicht relevant für dich ist.

Wie hältst du es mit dem Eigenlob? Ich bin gespannt auf deine Gedanken und Ideen. Schreibe sie mir in den Kommentaren.

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