Nichtstun, Entspannung, Nicht gut genug, Brené Brown, Elizabeth Gilbert, Scham, Zweifel, Trauer

Die 7 Phasen auf dem Weg zum Nichtstun und Loslassen

Nichtstun? Mal einfach gar nichts machen? Einfach in den Tag hineinleben? Die schönen Dinge des Lebens genießen? Loslassen? Puh, das klingt so einfach. Und doch so unglaublich schwer für mich.

Vor ein paar Wochen habe ich mich auf die „unerträgliche Reise des Nichtstuns“ begeben. Gezwungenermaßen. Bestimmt nicht freiwillig. Mein Kopf war leer. Mein Herz war müde. Die Quellen meiner Kreativität versiegten.

Eine Mentorin von mir sagte mir schon vor Jahren, entspann dich mal, mach mal nix. Und dann kam dieses ganze Gerede von der Kraft der Weiblichkeit, vom fließen lassen usw. Klingt super! Ganz ehrlich, ich rollte in Gedanken mit den Augen „Nichtstun.Tssss!“. Es half mir nicht – ich war weiter in meinem Bienchen-Muster: machen, machen, machen. Schließlich hatte ich auch genug Ideen, die ich in die Welt hinaustragen wollte, da passte Nichtstun nicht ins Bild. Ich hatte keinen Plan, wie das mit dem Entspannen und Fließen lassen funktionieren sollte. Die liebe Uta Nimsgarn stand mir im Mastermind und mit ihrer Freundschaft zur Seite. Sie zelebriert ein wahres Lebe-Schön. Ich bin zutiefst dankbar für ihre liebevolle Unterstützung und ihre Ermutigung. Sie sagte nicht einfach nicht nur, entspann dich mal, mach mal nix. Ich durfte es mit ihr miterleben, ihr Vertrauen in das Lebe-Schön, ihren Genuss und wie plötzlich wunderbare Ideen mit Leichtigkeit umgesetzt wurden. Sie war quasi mein Rohmodell und meine stete Ermutigung. Ein fettes großes herzliches Danke-schön an dich, liebe Uta!

Meine 7 Phasen des Nichtstun:

Ich konnte nicht einfach den Schalter umlegen und aus meinem Bienchen-Modus zum Nichtstun wechseln. Es vollzog sich in Phasen.

Phase 1: Rebellion/Trotz

Okay, wenn mir nichts einfällt, dann mach ich einfach mal nichts. Hat bestimmt seinen Sinn. Vielleicht soll ich es gar nicht machen. Ich bin auf dem falschen Weg. Bringt eh alles nichts.

Mit schmollenden Mund, verschränkten Armen setzte ich mich aufs Sofa und rief ein lautes „Paaaaaaah!“ in die Welt.

Phase 2: Scham und Zweifel

Es dauerte nicht lange, da kamen meine zwei Freunde Scham und Zweifel ins Spiel. Die Stimmen, die mir leise zuflüstern. Kannst du dir das erlauben, mal nichts zu tun? Du strengst dich nicht genug an. Diese kleine gemeine Stimme „du bist nicht gut genug.“ Ich schämte mich, fühlte mich als Versagerin.

Hier ist der Punkt, an dem ich normalerweise ausgestiegen bin und ganz schnell wieder in meinen Bienchen-Modus zurückgefallen bin. Doch dieses Mal konnte ich meinen Scham und Zweifel annehmen, die Stimmen beobachten und mir liebevoll sagen – das ist manchmal so. Lasse es einfach zu! So ging die Reise weiter.

Phase 3: Duldung

Na gut, ich nehme die Situation an. Gebe mich hin. Probiere mal das Nichtstun. Anstatt ein Fachbuch zu lesen, greife ich zum Krimi. Anstatt einen Artikel zu schreiben, gehe ich stundenlang mit dem Hund. Anstatt zu überlegen, was ich als nächstes poste in den Social Media Kanälen, mache ich mal Mittagsschlaf. Anstatt ein neues Konzept zu entwickeln, habe ich meine Wohnung dekoriert. Genießen konnte ich es aber nicht! Immer wieder kam das schlechte Gewissen an den Tag. Ich kämpfte auf allen Fronten, gegen meine Stimmen und für das Nichtstun. Ich erinnerte mich an meine Ausbildung zum Beziehungscoach bei Christian Pankhurst. Wir machten eine Übung zum Widerstand und Loslassen. Es hat sich bei mir eingebrannt – je größer der Widerstand, desto tiefer das Loslassen. Mit dem Prinzip funktioniert auch die progressive Muskelrelaxation – über Anspannung und Entspannung. Je fester du z.B. deine Hände zur Faust ballst und dann loslässt, desto mehr spürst die Entspannung beim Loslassen. Also wehrte ich mich nicht gegen meine Widerstände, sondern ich nahm sie wahr und ließ sie zu – lebte sie auch aus. Wechselte in Phase 1 mit Rebellion und Trotz und ließ mich dann ins Nichtstun fallen. Das war dann meine Brücke in die nächste Phase.

Phase 4: Trauer

Ich ließ los. Alle meinen Gedanken „du musst dieses und jenes machen“. Mutig ließ ich mein Konzept meiner Vision los. Und ich fühlte eine unglaubliche Traurigkeit. Ich verabschiedete mich von alten Ideen und alten Zöpfen und von allem, was nicht mehr zu mir passte.

In meiner Facebook-Timeline fand ich in dieser Phase folgendes Zitat von Brené Brown. Wie so oft findet sie genau die richtigen Worte:

„Courage transforms the emotional structure of our being. This change often brings a deep sense of loss. During the process of rising, we sometimes find ourselves homesick for a place that no longer exists. We want to go back to that moment before we walked into the arena, but there’s nowhere to go back to…We can’t fake it anymore. We now know when we’re showing up and when we’re hiding out, when we are living our values and when we are not.“ Rising strong

Bis jetzt gibt es leider das fantastische Buch noch nicht auf deutsch – daher übersetze ich es sinngemäß.

„Mut verändert die emotionale Struktur unseres Seins. Diese Veränderung bringt oft ein tiefes Gefühl des Verlusts mit sich. Während des Prozess des Wachsens, haben wir oft Heimweh nach einem Ort, der nicht länger mehr existiert. Wir möchten zurück zu dem Moment bevor wir in die Arena gingen, aber es gibt keinen Weg zurück…. Wir können es nicht mehr faken. Jetzt wissen wir genau, wann wir uns zeigen und wann wir uns verstecken, wann wir unsere Werte leben und wann nicht.“

Was mit der Arena gemeint ist, findest du hier.

Phase 5: Öffnung und Entspannung

Es gab nichts mehr zum Festhalten. Was für ein Gefühl! Jetzt habe ich den Krimi aufgesogen und keinen Gedanken an ein Fachbuch verschwendet. Bei den Spaziergängen mit dem Hund wieder die Natur beobachtet, Eichhörnchen und Rehe entdeckt, kein schlechtes Gewissen verspürt. Beim Mittagsschlaf geträumt und erfrischt aufgewacht. Meine aufgeräumte und frühlingshafte Wohnung genossen. Doch 100% ig konnte ich diese Lebe-Schön nicht genießen. Ich war ungeduldig, neugierig, wartete darauf, was und wann endlich, wieder aus meinem Herzen und aus meinem Kopf Ideen sprudelten.

Inspiriert durch das wunderbare Buch „Big Magic!“ von Elizabeth Gilbert, bedankte ich mich bei meinem alten Ideen und gab sie frei – in der Hoffnung jemand findet sie, nimmt sie auf und bringt sie zum Blühen.

Phase 6: Sprudeln

Und dann sprudelte die Quelle meiner Ideen wieder und wie sie wieder sprudelte! Ich bin wieder zurück!

Ich habe einiges vom Alten gehen lassen können und den Mut für Neues gefunden und miteinander verknüpft.  Das große Thema „Raus aus dem Kokon!“ durfte endlich seinen Platz finden – in dem Beziehungs-Coaching und im Lebens-Coaching.  Auch ein neues Freebie ist „Wurzeln und Flügel“ entstanden! Hast du es schon? Du bekommst mit dem Freebie auch eine Einladung in meine exklusive Facebook-Gruppe.

Phase 7: Üben, üben, üben

Ich arbeite gerne und oft ist die Arbeit keine Arbeit für mich. Doch ich nehme mit, dass ich viel mehr auf meine Lebe-Schön-Momente achte und öfter mal nichts tue.

Wie gut kannst du nichts tun? Was sind deine Gedanken, Stolpersteine und Tipps? Ich freue mich auf deine Kommentare.

Veronika